Liebes Blog,
las mich Dir erzählen wie alles anfing. Als ich noch jung und naiv war und das noch diffuse Gefühl hatte, dass die gewählten Volksvertretern ihre Entscheidungen nicht wirklich zum Besten des Volkes fällen, wollte ich meiner Bürgerpflicht nachkommen und selbst mitgestalten statt nur zu meckern.
Und schon da hatte ich ein Problem, das 20 Jahre später zum Eckstein meiner Überlegungen werden sollte: ich konnte mich nicht auf Anhieb für eine Partei entscheiden. Für mich gab es in jeder Partei Persönlichkeiten, die ich interessant und Standpunkte, die ich akzeptabel fand und die ich gewählt hätte. Aber ich musste mich ja auf eine Partei festlegen.
Also entschied ich mich für die, die nach Abwägung der Zu- und Abneigung, die ich in mir spürte, mir als die akzeptabelste erschien und diese Wahl fiel ganz schön knapp aus.
Es dauerte nicht lang, bis mir klar wurde, dass meine Möglichkeiten zur Mitgestaltung doch arg begrenzt waren. Was mich bewegte waren bundespolitische Entscheidungen, aber die einzige Gestaltungsmöglichkeiten, die sich mir bot war die Diskussion der Problem des Provinz-Nests, in dem ich meinen Wohnsitz gefunden hatte.
Wollte ich zur großen Politik meine Stimme erklingen lassen, hatte ich eine weite Strecke von Wahlen zum Delegierten zu gewinnen. Und schon auf Provinz-Niveau gab es Seilschaften, mit denen man sich auseinander zu setzen hatte.
Und recht bald merkte ich auch, dass diese meine Partei für meinen Geschmack zu unsozial und zu undemokratisch gestrickt war, obwohl sie doch das S und das D im Namen führte. Und so kam es, dass ich meine erste Exkursion in die Politik recht bald wieder abbrach und aus der Partei wieder austrat.
Meine Enttäuschung war so groß, dass ich nicht mal mehr die Tagesschau schauen wollte. Den innenpolitischen Teil des „Spiegels“, den ich bis dahin jede Woche eifrig studiert hatte, ignorierte ich. So verstrichen mehr als 10 Jahre meines Lebens. ...
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